AKTIONIST. Am 11. 11. rief Reinhard Eberhart zum Papierfliegerstarten vom Pyramidenkogel-Turm.
AKTIONIST.
Am 11. 11. rief Reinhard Eberhart zum Papierfliegerstarten vom Pyramidenkogel-Turm.

GRENZGÄNGER

Künstler und Narr? Nur Narr? Nur Künstler?
Bei Reinhard Eberhart verschwimmen die Grenzen.
Klar ist: Bei diesem Mann ist nichts gewöhnlich, nicht einmal ein Interview.

Interview im Kärntner Monat Februar 2026

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REDAKTION: Ralf Mosser | FOTOS:Eberhart, F. Neumüller, privat

Tausendsassa, Hansdampf in allen Gassen, bunter Vo­gel, Ideen-Großindustrieller, Selbstinszenierer, Polarisierer, Aufwecker, Unbequemer, Postkarten­künstler, Parteigründer, Marketingge­nie, Aktionist, Trendsetter, Künstler, Illusionist, Dirigent der Regenbögen, Fasching-Generalintendant und und und … Reinhard Eberhart kann man in viele Kategorien einordnen – und doch wieder in keine. Denn: Reinhard Eberhart ist eben Reinhard Eberhart – ein Grenzgänger. Lesen Sie den Ver­such, einen Mann zu fassen, den man nicht fassen kann und um den es in letzter Zeit ziemlich ruhig geworden ist.

Warum eigentlich? Er ist nach ei­genen Angaben „aus der Öffentlich­keit zurückgetreten“ und hat sich „ein Interviewverbot auferlegt“. Um sein Versprechen nicht zu brechen, lässt er mit dem Kärntner MONAT seine KI reden.

Reinhard Eberhart mit ORF-Brille

BUNTER VOGEL.
Schräge Brillen und Sakkos: Eberharts Markenzeichen.

Die Red‘ verschlagen. Stopp jetzt! Was soll das? Ausgerechnet jenem Mann, der den Gruß „hallihallo“, laut KI entstammend aus dem 400 Jahre alten Fährmannsgruß „Hallo“, zu sei­nem Markenzeichen gemacht hat, ihn schützen und in den Duden eintra­gen ließ; der Bürgermeister Leopold Guggenberger als Werbung für ein Buch mit Frack und Zylinder auf den Lindwurm setzte; der gemeinsam mit der italienischen Pornodarstellerin und Politikerin Ilona Staller, besser bekannt unter dem Künstlernamen „Cicciolina“, die „International Bes­te Partei“ gründete; sie zum ersten Parteitag am Faschingsdienstag nach Klagenfurt brachte; mit der Partei bei Nationalrats- und Landtagswahlen antrat und mehr Stimmen bekam als die KPÖ; der Telly Savalas dazu brach­te, Werbung für die Faschingszeitung zu machen; der jahrelang nicht der Adabei, sondern der „Immerdabei“ war; der sich mit bunten Brillen und schrägen Sakkos selbst inszenierte; der den Begriff „Gegengeschäft“ in neue Dimensionen führte; der bei „lost masterpiece“ leer gegessene Tel­ler fotografieren ließ und so die Köche als wahre Künstler würdigte sowie die Bilder ins Museum brachte; der am 11. 11. zum Papierflieger-Start vom Pyramidenkogel-Turm aufrief; der als Werbung fürs ackern® in Kärnten, der Steiermark und Oberösterreich einen Vogelscheuchen-Wettbewerb durchführen ließ – ausgerechnet die­sem Mann soll es jetzt die Rede ver­schlagen haben. Ja, eh. Und die Welt ist doch eine „Palatschinken“. Dabei wäre doch gerade jetzt seine Zeit – der Fasching, den er als Generalintendant mit seinem Faschingswecken wach-geküsst hat. Seine KI berichtet: „Zur ersten Veranstaltung am 11. 11. 1989 im und vor dem Casino in Velden ka­men 3500 Besucher, und jene in der Kärntner Straße in Wien im Jahre 1993, für die eine Landtagssitzung in Kärnten abgesagt wurde, damit die Parteigranden Zernatto, Haider, Ambrozy und Guggenberger daran teil­nehmen konnten.“

Unter der
Narrenkappe kann
man die Mächtigen
kontrollieren.

Reinhard Eberhart

Fünfte Gewalt. Den Fasching sieht Eberhart nicht nur als fünfte Jahreszeit, sondern als fünfte Macht im Lande. Seine KI erklärt: „Unter der Narrenkappe kann man die Mäch­tigen kontrollieren, indem man die Wahrheit sagt. Nicht umsonst heißt es: Von den Kindern und Narren kann man …“
Ein Kontrollorgan ist die Fa­schingszeitung, die er seit mehr als 40 Jahren herausgibt und in der Politik und Gesellschaft vorgeführt werden. Die diesjährige Version präsentier­te er am 10. Jänner im „Pumpe“ in Klagenfurt. Er – oder doch seine KI? Nichts Genaues weiß man nicht, denn Eberharts Motto ist das vom Lotto: Nix is .x, alles is möglich. Gesichert ist, dass sie seit dem Vorjahr aus rund 100 Postkarten besteht und auch auf LED-Walls von Lanner-Media in ganz Kärnten zu sehen ist.

Profit Neujahr. Apropos Postkar­ten. „The world exists to be put on a postcard“, sagte der britische Künstler Simon Cutts im Jahr 2013. Auch hier war Eberhart ein Trendsetter. Bereits in den 80er-Jahren begann er, das um­zusetzen. Zirka 500 poetische Minia­turen hat er seither geschaf­fen, rund 300 sind erhalten, 250 werden für das digitale Reinhard-Eberhart-Museum aufbereitet. Damit bleiben legendäre Sprüche wie „Alle kochen mit Was­ser, wir Kärntner mit Trinkwasser“, „Kein Geld verdirbt den Charakter“, der Neujahrsgruß „Pro. t Neujahr“, die Weihnachtskarte „Festessen, Fest essen“, „Konsequent, inkonsequent“, „Es ist einfach, nicht einfach“ oder der Liebesbeweis „Mir die Dornen, dir die Liebe“ für immer erhalten.
Die KI meint: „Eberhart hat mit seiner Kunst immer Akzente ge­setzt. Die Ausländerkarten zu Be­ginn der 90er-Jahre wurden von SOS Mitmensch beim Lichtermeer gegen das unappetitliche ‚Ausländer raus‘-Volksbegehren von Jörg Haider eingesetzt. Sie sind im Wiener Hei­matkundemuseum dokumentiert und wurden von der evangelischen Dia­konie in der Schweiz nachgedruckt.“ Zusatz: „Dass die Postkarten in die Kategorien Gesellschaft, Politik und Kunst eingeteilt sind, mag verwirren, denn schließlich ist alles, was Eber-hart macht, Kunst. Gelegentlich ist es Kunst für die Kunst, manchmal Kunst für die Gesellschaft und damit Kunst für die Politik. Er ist selbst eine Kunstfigur, sein Schaff en ein Gesamt­kunstwerk.“

BUNT. Das ist sein Auftreten als Faschings-Generalintendant.

BUNT.
Das ist sein Auftreten als
Faschings-Generalintendant.

Eberhart entpuppt
sich als subversiver
Beobachter
unserer Zeit.

Peter Weibel

Künstler der Komik. Peter Wei­bel, der langjährige Leiter des Zen­trums für Kunst und Medien in Karls­ruhe, würdigte Eberhart als Künst­ler, der mit doppelbödigen Aussagen unbequeme Wahrheiten ans Licht bringt: „Unter der Narrenkappe ver­borgen, entpuppt sich Eberhart als subversiver Beobachter und Kom­mentator unserer Zeit – ein wahrer Künstler der Komik.“

Jetzt meldet sich die KI in Eber­harts Sinne wieder zu Wort: „Seine Postkarten zeigen in der Retrospekti­ve eine gesellschaftliche Entwicklung, der zu wenig Narren im Wege standen.

Wenn im 21. Jahrhundert Menschen­rechte und das Völkerrecht infrage gestellt werden, Desinformation in öff entliche Diskussionen Einzug hält, Profitstreben noch immer die wesent­liche Antriebskraft der Wirtschaft ist, dann braucht es noch viele Postkarten und vieles mehr, um die Gesellschaft wieder in die Spur zu bringen.“

Über Eberharts Privatleben spricht die KI nicht gerne. Nur so viel: „Geboren im LKH Klagen­furt, aufgewachsen bei seiner Großmutter Helene Trimmel in seinem ‚Geburtshaus‘ in der Malborghetstraße Nr. 6 in Waidmannsdorf, sich mit Peter Kaiser entwickelt, fürs Überle­ben trainiert, Landes- und Bun­desschulsprecher in Wien im Gremium mit Othmar Karas, Wolfgang Fellner, Josef Kalina, Christoph Matznetter und Wolf­ang Rosam; Betriebsrat in der Kelag und nebenbei ausgelernter Bürokaufmann, Redakteur bei der Volkszeitung.“ Frau, Toch­ter, Sohn? „Alle gesund.“ Min­destpension? „Zum Spazieren­gehen braucht man kein Geld.“ Finanzielle Probleme? „Daran hat die KI keine Erinnerung. Weil: Er ist eh Ideen-Milliardär.“

Das ist sein Auftreten als Faschings-Generalintendant.

Unkraut frei. Schon lieber re­det die KI über zukünftige Projek­te. Zum Beispiel „unkraut frei®“, das ackern®-Nachfolgefest. Die Veranstal­tung soll vom 8. Juli bis zum 2. August im Freilichtmuseum Maria Saal über die Bühne gehen. Eberhart liefert nur die Idee, für die Durchführung ist ein bekannter Wirt verantwortlich, der nach Ostern das Vorhaben vorstellen wird. Welche Idee steckt dahinter? Die KI: „Das Fest wird nachhaltig aus regionaler Produktion, energieautark, zeitgeistig und blackoutsicher sein. Der Strom wird von Elektroautos des Autohauses Eisner und einem Solar­kraftwerk der niederländischen Firma BOELS geliefert. Programm ist das Manifest für Natur und Umwelt – in Wirklichkeit die ‚heimliche‘ Landes­ausstellung. Der Medienpartner wird mittels Ausschreibung gesucht und verpflichtet sich vertraglich, den Na­men Eberhart niemals zu erwähnen, denn es geht um das Vorhaben und nicht um Personen. Sein Credo: Den Erfinder von Coca-Cola kennt heute auch niemand. Wichtig ist ihm, dass sich die Gäste im Einklang mit der Natur wohlfühlen.“

Groß denken und träumen gehö­ren wohl zu den wichtigsten Eigen­schaften eines Ideen-Großindustriel­len. So entstanden: Das ackern®, das Fest im Sonnenblumenfeld, das von 1995 bis 2015 die gastronomische In­novation schlechthin war und in Kla­genfurt, Villach, Wels, Hartberg, Graz, Leoben und bei Palmers nahe Wien Millionen Menschen bewegte – allein in Klagenfurt und Villach 50.000 pro Jahr. Viele seiner Ideen wurden, wie die auf den Boden gestreuten Holzscharten, damit der Boden nicht ver­sumpft, von anderen Veranstaltern kopiert. Erwähnt sei, dass auch das gackern® von ihm entwickelt wurde.

NEUES PROJEKT. Eberhart dirigiert die „heimliche Landesausstellung“ – „unkraut frei“.

Regenbogenparty. Die Regen­bogenparty, bei der er im Parkbad Krumpendorf mit Schneekanonen Wasser in die Luft schoss und so das gewünschte Naturphänomen entste­hen ließ. Diese Idee wurde auf der Alster in Hamburg und von Feuer­wehrmännern in New York übernom­men.

Das Konzept „hoochzeiten“, das er auf Bitte der Stadt Klagenfurt auf der Halbinsel Maria Loretto umsetzte. Die Idee: Picknicken im Freien. Dafür baute er mit Künstlern einen überdi­mensionalen barocken Bilderrahmen, durch den sich die Leute fotografieren lassen konnten. Die KI: „Den Bilder­rahmen ließ Bürgermeister Harald Scheucher um 1500 Euro an die Ge­meinde Treffen verscherbeln, deren Vizebürgermeister zufällig im Kon­trollamt Klagenfurt beschäftigt war. Die Kärnten Werbung versuchte, die Idee zu kopieren – allerdings nicht gerade professionell.“

Der „Stille Silvester“. Die KI: „Heute will man in Deutschland Feu­erwerke und Böller zum Jahreswech­sel verbieten, und in Klagenfurt soll nur ein einziges Feuerwerk stattfinden. Eberhart feierte schon 1999 an der Schiffsanlegestelle in Klagenfurt den ‚Stillen Silvester‘, indem zum Jah­reswechsel 2000 Kerzen entzündet wurden. Weiterentwickelt 2001 auf Maria Loretto mit Holzfackeln und einer Lesung des Schriftstellers Egyd Gstättner auf einem Boot.“

Covid-Geometrie. Die Einhau­sung des Herzogstuhls. Die dafür not­wendige Glaskonstruktion entstand durch einen Architektenwettbewerb und wurde in Südafrika nachgebaut.

„estrilac“ (essen, trinken, lachen). Für das exklusive Weinfest entwickel­te er gemeinsam mit der Glasexpertin Christine Starzacher als Preis eine ex­klusive Barockbar.

For distance – die Covid-Geometrie hätte uns vieles er­sparen können. Eberhart wollte, dass man auch in der Pandemie auf Plät­zen, Almen und in Parkanlagen feiern konnte. Deshalb schlug er vor, eigene geometrische Bereiche mit Abstand (dem Maß des Babyelefanten) auf den Boden zu zeichnen, in denen je­der allein, aber doch in der Masse fei­ern konnte. Nicht nur er, auch seine KI kann in Saft gehen: „Unsere Tou­ristiker verstanden die Idee nicht. In New York im Central Park und in Los Angeles im Griffith Park haben sie die Bereiche mit Badetüchern geschaffen, und die Bilder gingen um die Welt. Das hätten wir drei Monate früher haben können. Die Werbung für un­ser Bundesland wäre enorm gewesen, weil redaktionelle Beiträge im Kopf bleiben.“ Den Beweis, dass es funk­tioniert, lieferte Eberhart im Winter eindrucksvoll auf der Simonhöhe mit Pappkameraden.

ACKERN: Reinhard Eberhart und die Sonnenblume

Träume. Sein neuester Traum: die Ingeborg-Bachmann-Römerstraße. Die KI verrät den Plan: „Von Krum­pendorf wird auf der Landkarte ein Strich nach Triest gezogen. Entlang dieses Strichs soll die Römertras­se führen. Dafür müssen Brücken – zum Beispiel über den Wörther­see – gebaut und Tunnel geschlagen werden.“ Wer soll das bezahlen? Die KI: „Die Weltgemeinschaft. Wenn nur einen halben Tag in der Ukraine nicht gekämpft wird, reicht das einge­sparte Geld locker aus.“ Für den Fall, dass sich die Idee umsetzen lässt, hat Eberhart schon drei „Zuckerwürfel aus tonnenschweren Marmorblöcken ausgestellt“, mit solchen Würfeln solle die Straße gepflastert werden. Und weil die Strecke immer abwärts-führt, kann man mit dem Rad, ohne zu treten bis nach Triest fahren. Der Traum wird wohl ein Traum blei­ben. Aber wie sagte Mark Twain: „Ohne Träume gibt es kein Leben, nur bloßes Existieren.“