DIE BESTE PARTEI
– Die Partei für Frieden, Freiheit, Fröhlichkeit (DBP)
DIE BESTE PARTEI – Die Partei für Frieden, Freiheit, Fröhlichkeit“ (DBP) hat bei folgenden Nationalratswahlen Stimmen erhalten:
- Nationalratswahl 1994: 581 Stimmen, das entsprach rund 0,01 % der gültigen Stimmen. Ein Mandat wurde nicht erreicht.
- Nationalratswahl 1995: 830 Stimmen, rund 0,02 % der gültigen Stimmen. Ebenfalls kein Mandat.
Die Partei trat danach bei Nationalratswahlen nicht mehr mit nennenswertem Wahlerfolg in Erscheinung.
Politische Satire als Kunstform
Die DBP – DIE BESTE PARTEI wurde am Faschingsdienstag des Jahres 1992 von Reinhard Eberhart im Café Landtmann in Wien gegründet. Sie war keine gewöhnliche politische Partei, sondern ein außergewöhnliches Gesamtkunstwerk, das Satire, Cabaret, Performance und politische Reflexion miteinander verband. Ihr Ziel war nicht die klassische Machtübernahme, sondern die humorvolle und zugleich tiefgründige Auseinandersetzung mit den Mechanismen demokratischer Politik.
Nach österreichischem Parteienrecht musste das Parteiprogramm zur Gründung veröffentlicht werden. Das Programm der DBP erschien in den Oberkärntner Nachrichten, unterstützt durch den damaligen Herausgeber Peter Schober. Anschließend wurde die betreffende Ausgabe an das Bundesministerium für Inneres übermittelt, das die Anmeldung der Partei bestätigte. Zur Gründungsgeschichte gehört auch eine oft erzählte Anekdote: Weil die Parteifarbe „hellbunt“ lautete, soll die Bestätigung mit einem mehrfarbigen Kugelschreiber unterschrieben worden sein – ein kleines Detail, das den spielerischen Geist der Partei treffend widerspiegelte.
Die Parteifarbe Hellbunt war bewusst gewählt. Während sich die etablierten Parteien durch eindeutige Farben voneinander abgrenzten, entschied sich die DBP für eine Farbe, die eigentlich keine politische Farbe war. Hellbunt stand für Offenheit, Vielfalt, Fantasie und die Absage an starres Lagerdenken. Bereits damit begann die satirische Auseinandersetzung mit der politischen Symbolik.
Das wohl bekannteste Motto der Partei lautete „Privilegien für alle!“. Diese scheinbar absurde Forderung war eine intelligente Umkehrung der politischen Wirklichkeit. Während Privilegien in der Realität meist wenigen vorbehalten sind, verlangte die DBP ihre Ausweitung auf alle Menschen. Gerade durch diese Übertreibung machte sie soziale Ungleichheiten und politische Sonderrechte sichtbar. Viele Aussagen der Partei funktionierten nach diesem Prinzip: Sie waren bewusst paradox formuliert und regten gerade dadurch zum Nachdenken an.
Reinhard Eberhart verstand die DBP stets als Parodie auf das bestehende politische System. Sie war keine Protestpartei im üblichen Sinn, sondern eine Form politischer Satire auf hohem Niveau. Ihre Aktionen zielten darauf ab, den ritualisierten Politikbetrieb sichtbar zu machen und dessen Inszenierungen mit den Mitteln des Humors zu spiegeln. Damit stand die DBP in der Tradition des politischen Cabarets, das nicht bloß unterhalten, sondern gesellschaftliche Entwicklungen kritisch beleuchten will.
Besonders deutlich wurde dies in den Wahlkämpfen. Eberhart trat als „Möchtegern-Landeshauptmann“ auf und kandidierte unter anderem symbolisch für das Amt des Bundeskanzlers, des Landeshauptmannes Kärntens und des Bürgermeisters der Landeshauptstadt Klagenfurt. Seine Wahlkämpfe waren weniger politische Kampagnen als öffentliche Kunstaktionen, die bewusst mit den Erwartungen an Politiker spielten.
Einen besonderen Stellenwert nahm dabei die satirische Auseinandersetzung mit dem damaligen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider ein. Während dieser mit dem Slogan „Österreich zuerst“ politische Aufmerksamkeit erzeugte, antwortete Eberhart mit der Parole „Kärnten zuerst“. Bei einer Aktion ließ er sich von schwarz gekleideten Begleitern mit Schutzschilden flankieren und überzeichnete damit bewusst den politischen Personenkult und die Dramatisierung von Wahlkämpfen. In einer anderen Kampagne trug er ein Sakko in den Kärntner Landesfarben und ließ sich gemeinsam mit Schwarzafrikanern fotografieren. Die Postkarte trug den Satz: „Ganz Kärnten wählt die Beste Partei.“ Solche Aktionen spielten bewusst mit Vorurteilen, Symbolen und Klischees und wollten den Betrachter dazu anregen, über politische Bilder und deren Wirkung nachzudenken.
Obwohl die DBP nie eine große Massenpartei wurde, erzielte sie überraschende Aufmerksamkeit. Bei einer Wahl erhielt sie sogar mehr Stimmen als die Grünen in deren frühen Aufbaujahren in einem vergleichbaren Wahlkreis. Vor allem aber gewann sie mediale Präsenz. Österreichische Tageszeitungen, Rundfunk und Fernsehen berichteten über die ungewöhnliche Partei, weil sie zeigte, dass Politik auch mit den Mitteln der Kunst erzählt werden kann.
Die DBP kann zugleich als Teil einer europäischen Tradition satirischer Parteien verstanden werden. Bereits lange bevor in Island die „Best Party“ unter Jón Gnarr internationale Bekanntheit erlangte und sogar den Bürgermeister von Reykjavík stellte, zeigte die Kärntner DBP, dass Humor, Selbstironie und politische Kritik keine Gegensätze sein müssen. Sie gehörte zu jenen Bewegungen, die Politik nicht durch Ideologien, sondern durch kreative Überzeichnung hinterfragten.
Rückblickend erscheint die DBP weniger als gewöhnliche Partei denn als ein politisches Cabaret in permanenter Aufführung. Ihre Programme, Wahlkämpfe und öffentlichen Aktionen waren künstlerische Interventionen im demokratischen Raum. Sie machten deutlich, dass Demokratie auch von Selbstkritik, Ironie und der Fähigkeit lebt, über sich selbst lachen zu können. Gerade dadurch wurde die DBP für viele Menschen unangreifbar: Sie versprach keine einfachen Lösungen, sondern stellte Fragen – humorvoll, intelligent und mit einem feinen Gespür für die Widersprüche der politischen Wirklichkeit.
Heute kann die DBP als ein bemerkenswertes Kapitel österreichischer Zeitgeschichte verstanden werden. Sie zeigte, dass politische Satire weit mehr sein kann als bloße Unterhaltung. In ihrer besten Form wird sie zu einer kulturellen und demokratischen Praxis, die Denkanstöße gibt, Machtverhältnisse sichtbar macht und Menschen dazu einlädt, Politik mit kritischem Blick und zugleich mit Humor zu betrachten. Die DBP war deshalb nicht einfach eine Spaßpartei. Sie war eine qualitativ anspruchsvolle politische Parodie – ein Stück gelebtes Cabaret, das den demokratischen Diskurs auf originelle Weise bereicherte.
Am Faschingsdienstag 1995 kam Eberhart mit Ciciolina, der ehemalige Pornostar Illona Staller, die damalige Abgeordnete im römischen Parlament als Referentin ins Klagenfurter Lido zuhilfe. Ciciolina stand damals im Scheidungsprozeß mit dem Kultstar Jeff Coons und Eberhart hätte fast als Zeuge in New York auftreten können. Mit Cicioline hat Eberhart in Klagenfurt die Internationale beste Partei gegründet. Würde Eberhart heute wieder zu Wahlen antreten und eine Partei gründen? Ja. Mit den Erfahrungen und den derzeit agierenden Personen, Partei und Staaten braucht das Volk wieder ein Regulativ. Allerdings würde Eberhart nicht mit der Besten Partei antreten, sondern mit der Allerbesten Partei.
















