Günther Domenig

Günter Domenig (1998)

Günter Domenig (1998)

Günther Domenig –
Visionär der Architektur und Freund von Reinhard Eberhart

Günther Domenig (1934–2012) zählt zu den bedeutendsten Architekten Österreichs und zu den international renommiertesten Vertretern der Architektur des 20. Jahrhunderts. Er wuchs gemeinsam mit seinem älteren Bruder in Klagenfurt auf, wo seine Eltern einen Greißlerladen führten. Trotz seines weltweiten Wirkens blieb Domenig seiner Kärntner Heimat stets eng verbunden.

Sein Bruder übernahm später das traditionsreiche Feinkostgeschäft „Die Blaue Kugel“ am Alten Platz und führte es viele Jahre erfolgreich weiter. Das Geschäft ist vielen Klagenfurterinnen und Klagenfurtern bis heute in guter Erinnerung.

Wann immer sich Günther Domenig in Klagenfurt aufhielt, zog es ihn häufig nach St. Martin in den Gasthof Müller. Dort schätzte er nicht nur die bodenständige Küche und die Möglichkeit, eine Partie Schach zu spielen, sondern vor allem die Gespräche mit dem Wirt Valentin Müller. In diesem Gasthof lernte Domenig schließlich auch Reinhard Eberhart kennen. Aus dieser Bekanntschaft entwickelte sich eine Freundschaft, und später verband Eberhart zudem eine enge Freundschaft mit Domenigs Schulfreund, Prof. Ernst Gayer.

Mit seiner kompromisslosen und expressiven Architektursprache schuf Domenig Bauwerke, die weltweit Beachtung fanden. Zu seinen bekanntesten Werken zählen das Steinhaus am Ossiacher See – sein persönliches Lebenswerk –, der richtungsweisende Umbau des Stadttheaters Klagenfurt, das Dokumentationszentrum auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg sowie bedeutende Projekte in Wien und darüber hinaus. Als Universitätsprofessor und Mitglied zahlreicher nationaler und internationaler Architekturjurys prägte er Generationen von Architektinnen und Architekten.

Eine besondere Verbindung bestand zwischen Günther Domenig und dem Kärntner Künstler Reinhard Eberhart. Beide verband eine langjährige Freundschaft, gegenseitige Wertschätzung und die Überzeugung, dass Kunst und Architektur untrennbar zusammengehören. Aus dieser Verbundenheit entwickelte Domenig visionäre Umbaupläne für das REM – Reinhard Eberhart Museum, das ausschließlich den Werken Reinhard Eberharts gewidmet war.

„Verstehst eh nix.“ Günther Domenig und Reinhard Eberhart in Bilbao (1998)

Sein Entwurf war ebenso kühn wie außergewöhnlich. Eine markante Stiegenanlage sollte das Gebäude durchziehen und den Baukörper auf beiden Seiten durchbrechen. Ein mächtiger Zylinder war als weithin sichtbares architektonisches Zeichen geplant und sollte über das Dach hinausragen. Im Zentrum des Museums sah Domenig einen Kubus als räumlichen und gestalterischen Mittelpunkt vor. Mit diesen Ideen wollte er das Museum nicht nur erweitern, sondern Architektur und Kunst zu einem begehbaren Gesamtkunstwerk verschmelzen lassen. Obwohl das Projekt nicht verwirklicht wurde, zeugen die erhaltenen Entwürfe von der kreativen Kraft Domenigs und seiner großen Wertschätzung für das Lebenswerk seines Freundes Reinhard Eberhart.

Gemeinsam mit Michael Springer, Ferdinand Neumüller und Georg Gratzer unternahmen Günther Domenig und Reinhard Eberhart zahlreiche Kulturreisen. Eine davon führte sie nach Bilbao zum weltberühmten Guggenheim Museum. Das hier gezeigte Foto entstand vor der monumentalen Blumenskulptur „Puppy“ von Jeff Koons. Gemeinsam studierten sie die spektakuläre Architektur des Museums von Frank Gehry und auf weiteren Stationen in Spanien die einzigartigen Bauwerke Antoni Gaudís. Diese Reisen waren geprägt von intensiven Gesprächen über Architektur, Kunst und neue gestalterische Ideen und stärkten die langjährige Freundschaft der beiden Kärntner Persönlichkeiten.

Günther Domenig hinterließ Bauwerke, die weit über Österreich hinaus Maßstäbe setzten. Seine Architektur fordert heraus, überrascht und begeistert bis heute. Sie verbindet technische Präzision mit künstlerischer Freiheit und macht ihn zu einem der größten Architekten Europas. Die Freundschaft mit Reinhard Eberhart zeigt zugleich die menschliche Seite dieses außergewöhnlichen Visionärs – geprägt von gegenseitigem Respekt, gemeinsamer Kreativität und der Überzeugung, dass große Architektur und große Kunst einander inspirieren.

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