Heinrich C. Mayr
Heinrich Christian Mayr (*1948) ist ein österreichischer Informatiker, Universitätsprofessor und ehemaliger Rektor der Universität Klagenfurt. Er zählt zu den prägenden Persönlichkeiten der deutsch-österreichischen Informatik und wirkt bis heute insbesondere in den Bereichen benutzerzentrierter Informationssysteme, Modellierung und deren Grundlagen.
Ausbildung und wissenschaftlicher Werdegang
Heinrich C. Mayr studierte Informatik und angewandte Mathematik an der Universität Karlsruhe (heute KIT) und an der Université de Grenoble. Nach dem Abschluss seines Studiums promovierte er 1975. Seine frühen wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigten sich mit Grundlagen und Anwendungen der Informatik.
Nach einer akademischen Tätigkeit wechselte Mayr zunächst in die Wirtschaft und war mehrere Jahre in leitender Funktion in einem Softwareunternehmen tätig. Diese Verbindung von wissenschaftlicher Forschung und praktischer Anwendung prägte sein späteres Wirken: Er verstand Informatik nicht nur als technische Disziplin, sondern als Werkzeug zur Gestaltung komplexer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Prozesse.
1990 wurde Heinrich C. Mayr als Professor für Praktische Informatik an die Universität Klagenfurt berufen. Dort entwickelte er wesentliche Forschungs- und Lehraktivitäten in den Bereichen Informationssysteme, konzeptuelle Modellierung, Wirtschaftsinformatik und Anwendungssysteme. Mit der Leitung des Entwicklungsteams für den Fachhochschulstudiengang „Telematik/Netzwerktechnik“ an der FH Kärnten/Klagenfurt, seinem Engagement zur Gründung des Softwareclusters SIT und dessen späterem Zusammenschluss zum Software Internet Cluster SIC, sowie mit dem Aufbau des Industriestiftungsinstituts eBusiness setzte Mayr wesentliche Impulse für die Entwicklung der Softwaretechnologie in Kärnten. Die Wirtschaftskammer Kärnten zeichnete ihn dafür mit der großen Ehrenmedaille aus, die Stadt Klagenfurt verlieh ihm 2013 die goldene Medaille.
Wirken an der Universität Klagenfurt
An der Universität Klagenfurt übernahm Mayr verschiedene Leitungsfunktionen. Unter anderem war er Vorstand des Instituts für Informatik, (Gründungs-)Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und Informatik und Vorsitzender des Gründungskonvents.
Von 2006 bis 2012 war Heinrich C. Mayr Rektor der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. In seiner Amtszeit setzte er Schwerpunkte auf die Gründung und Weiterentwicklung der technischen Fakultät bei gleichzeitiger Konsolidierung der Kulturwissenschaften, die Weiterbildung, die stärkere Vernetzung von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft und die wirtschaftliche Sanierung der Universität. Unter seiner Leitung wurden wichtige Impulse für die Positionierung der Universität als Standort für Technologie, Innovation und internationale Zusammenarbeit gesetzt. Gleichzeitig fungierte Mayr als Vorsitzender bzw. Mitglied des Hochschulrats des Pädagogische Hochschule Kärnten, sowie als Mitglied des Aufsichtsrates der Fachhochschule Kärnten.
Nach seiner Wiederwahl für eine weitere Amtsperiode kam es zu Auseinandersetzungen mit dem damaligen Universitätsrat. Diese landeten letztendlich vor dem Verwaltungsgerichtshof, der dem Universitätsrats rechtswidriges Vorgehen bescheinigte.
Wissenschaftliche Schwerpunkte und internationale Aktivitäten
Mayrs wissenschaftliche Arbeit umfasst insbesondere die Bereiche konzeptuelle Modellierung, Software- und Informationssysteme, Wirtschaftsinformatik sowie digitale Transformation. Er engagierte sich auch in internationalen Fachorganisationen und trug zur Entwicklung der Informatik als anwendungsorientierte Wissenschaft bei. Von 2000-2003 war er Präsident der deutschen „Gesellschaft für Informatik“, davor Vizepräsident, Sprecher des Fachbereichs „Softwaretechnologie und rechnergestützte Informationssysteme“, Gründer der Fachgruppe „EMISA: Entwicklungsmethoden für Informationssysteme und deren Anwendung“ u.a.. Bis zu seiner Emeritierung hat er über 60 internationale wissenschaftliche Veranstaltungen organisiert, u.a. die größte je in Kärnten stattgefundene Fachtagung „INFORMATIK 2016“, und in vielen anderen leitend mitgewirkt.
Für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt er internationale Ehrungen, darunter ein Ehrendoktorat der National Technical University of Kharkiv, die GI Fellowship und als bislang einziger Österreicher den Peter P. Chen Award, das ist die weltweit höchste Auszeichnung in Mayr‘s Spezialgebiet der konzeptuellen Modellierung.
Zusammenarbeit mit Reinhard Eberhart und interdisziplinäre Innovationsprojekte
Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit beschäftigte sich Heinrich C. Mayr auch mit interdisziplinären Zukunftsfragen an der Schnittstelle von Technologie, Nachhaltigkeit, Kunst und gesellschaftlicher Innovation. Eine langjährige Freundschaft und Zusammenarbeit mit Reinhard Eberhart führte zu gemeinsamen Überlegungen und Konzeptentwicklungen, bei denen neue Formen der Verbindung von Wissen, Kreativität und Digitalisierung im Mittelpunkt standen.
Mayr brachte dabei seine Erfahrung aus Informatik, Wissensmanagement und digitaler Vernetzung in die konzeptionelle Entwicklung verschiedener Vorhaben ein. Dazu zählten unter anderem die Idee einer „Ideenuniversität“ sowie weitere Konzept-Kunst- und Innovationsprojekte wie „green-on“, „greenovations-park“ und „unkraut frei“. Diese Projekte beschäftigten sich mit Fragen nachhaltiger Entwicklung, neuen Innovationsmodellen und der Verbindung von technologischen Möglichkeiten mit gesellschaftlichen Herausforderungen.
Ein weiterer gemeinsamer Denkansatz war die Entwicklung einer digitalen Plattform, die österreichische Unternehmen und Initiativen aus dem Bereich nachhaltiger Technologien mithilfe künstlicher Intelligenz vernetzen und sichtbar machen sollte. Ziel dieser Idee war es, die vorhandenen Kompetenzen österreichischer Green-Tech-Unternehmen zu bündeln, Kooperationen zu fördern und ein gemeinsames digitales Ökosystem für nachhaltige Innovationen zu schaffen. Eine Umsetzung dieser Plattform erfolgte letztlich nicht. Stattdessen verfolgte die Wirtschaftskammer Österreich mit dem Projekt „Kaufhaus Österreich“ einen anderen Ansatz zur digitalen Bündelung österreichischer Angebote, der später öffentlich kritisch bewertet wurde.
Diese Aktivitäten ergänzen das Bild von Heinrich C. Mayr als Wissenschaftler, der digitale Technologien nicht ausschließlich als technische Werkzeuge betrachtete, sondern als Mittel zur Entwicklung neuer gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und kultureller Modelle. Seine Arbeit verbindet akademische Forschung mit dem Interesse an Zukunftskonzepten, Innovation und nachhaltiger Transformation.
Vermächtnis
Heinrich C. Mayr steht für eine Generation von Informatikern, die den Wandel von der klassischen Computerwissenschaft hin zu einer umfassenden digitalen Gesellschaft mitgestaltet haben. Sein Wirken an der Universität Klagenfurt, seine Beiträge zur Informatik sowie sein Engagement für interdisziplinäre Innovationsprozesse prägen bis heute die Wahrnehmung der Universität und des österreichischen Wissenschaftsstandorts.












