Herbert Wochinz
Das Porträt: Ein Leben für die Theaterkunst
- Der kosmopolitische Geist: Geboren 1925 in Villach, zog es Wochinz früh in die Welt. In den 1960er-Jahren lebte er in Paris – oft in Begleitung des Kärntner Aktionskünstlers und Querdenkers Viktor Rogy. In Frankreich tauchte er tief in die intellektuelle Szene ein und lernte bedeutende französische Dichter und Dramatiker (darunter prägende Figuren wie Jean Cocteau und Samuel Beckett) persönlich kennen. Diese Pariser Jahre beeinflussten seinen avantgardistischen Inszenierungsstil nachhaltig.
- Der Pionier und Gründer: Zurück in Österreich bewies Wochinz ein unfehlbares Gespür für neue Theaterformen. Er gründete das legendäre Theater am Naschmarkt in Wien, das zur Keimzelle für modernes, mutiges Schauspiel wurde.
- Die Komödienspiele Schloss Porcia: Im Jahr 1961 legte er den Grundstein für sein wohl bekanntestes Lebenswerk: die Komödienspiele auf Schloss Porcia in Spittal an der Drau. Er verwandelte den Renaissance-Hof in eine feste Größe des österreichischen Kultursommers und brachte dem Publikum die italienische Commedia dell’arte und klassische europäische Komödien näher.
- Der Theaterfürst in Klagenfurt: Über viele Jahre hinweg leitete Wochinz als Intendant das Stadttheater Klagenfurt. Er modernisierte das Haus, forderte das Publikum heraus und machte die Kärntner Landeshauptstadt zu einer viel beachteten Theateradresse.
Für seine außerordentlichen Verdienste um den kulturellen Austausch und seine Verbundenheit mit der französischen Literatur wurde ihm in der Französischen Botschaft in Wien der prestigeträchtige französische Verdienstorden (Ordre national du Mérite) verliehen. Herbert Wochinz verstarb im Jahr 2012.
Der persönliche Bezug zu Reinhard Eberhart
Hinter den offiziellen Kulissen der Kulturpolitik verband Herbert Wochinz eine tiefe, jahrzehntelange und von gegenseitigem Respekt geprägte Freundschaft mit dem Kärntner Eventmanager und Verleger Reinhard Eberhart.
- Das Kennenlernen: Die Wege der beiden kreuzten sich in den 1980er-Jahren. Der Kontakt kam über Mario Messner zustande, den damaligen Chefredakteur-Stellvertreter der Kärntner Tageszeitung (KTZ). Aus der ersten Begegnung entwickelte sich rasch eine enge und treue Männerfreundschaft.
- Lebenskunst im Stadttheater: Ein besonderes Zeugnis dieser Freundschaft war ein Geburtstagsgeschenk der außergewöhnlichen Art: Während im Stadttheater Klagenfurt regulär die Operette Can-Can auf dem Spielplan stand, erlaubte Intendant Wochinz seinem Freund Eberhart, an dessen Geburtstag das Grazer Ballett ins Stadttheater einzuladen. Wochinz, der das Leben und unkonventionelle Aktionen liebte, kommentierte Eberharts Lebensstil damals voller Anerkennung mit dem legendären Satz: „Heast lieba Freind, du wast wie man lebt.“
- Politischer Rückhalt in schweren Zeiten: Als das Land Kärnten in kulturpolitischen Debatten Wochinz bezüglich einer Vertragsverlängerung „pflanzte“ – also hinhielt und schikanierte –, erwies sich Eberhart als loyaler und tatkräftiger Freund. Er nutzte seine Kontakte und stellte Wochinz dem mächtigen Kronen Zeitung-Herausgeber Hans Dichand vor. Durch diese Schützenhilfe erhielt der Intendant in einer kritischen Phase das nötige mediale und öffentliche Gewicht gegen die politische Willkür.
- Der große Moment in Wien: Auch bei Wochinz‘ glanzvollstem diplomatischen Moment war die Freundschaft spürbar: Als der Theatermacher in der Pariser Botschaft in Wien mit dem französischen Verdienstorden ausgezeichnet wurde, wich Reinhard Eberhart nicht von seiner Seite und begleitete seinen Freund bei dieser feierlichen Würdigung seines Lebenswerks.
- Eberhart und Wochinz konnten gedanklich viel einig sein. Herbert besuchte Reinhard viele Jahre mit seinem Freund Hermann Jamek von VDW-Film in seinem Villacher REM . Jamek hat auch seinerzeit Eberhart Faschingsfilme gesponsert. Zum Beispiel mit Günther Maier, der Zug ist abgefahren.












