Gutshof Egger
Nachhaltigkeit, Geschichte und Event-Infrastruktur
Der Gutshof Egger in der Flatschacherstraße 77 in Klagenfurt ist ein historisches, kulturlandschaftlich bedeutendes Bau- und Naturensemble. Aufgrund seiner erhaltenen alten Bausubstanz und der engen Verzahnung von Architektur und Naturräumen könnte man das Areal als Freilicht- und Landwirtschaftsmuseum im erweiterten Sinne bezeichnen. Das Gut zeichnet ein hochfunktionales Ökosystem aus, was bei einer Begehung der gesamten Anlage inklusive der angrenzenden Weideflächen und der künstlich angelegten Parkanlage durch Biologen bestätigt wurde.
Gebäude und Anlage
Architektur und Baubestand seine Struktur, Bauweise und Funktion
- Troadkasten: Ein historischer Getreidespeicher aus der Frühen Neuzeit datiert vom 16. bis zum 19. Jahrhundert, der direkt im Blickfeld des Eingangsbereiches liegt.
- Herrschaftshaus und Hauptstall sind erreichbar über eine herrschaftliche Zufahrt. Der stillgelegte Hauptstall beeindruckt durch seine einzigartige Nachkriegsbauweise mit einem großzügigen Bretterbinder-Dachstuhl, der als technikgeschichtliches Zeugnis gilt. Der Dachboden ist ein architektonisches Unikat und wirkt wie eine Kathedrale. Die nahezu quadratische, ebenerdige Stallung teilt sich in einen Großraum mit Stiegenaufgang zum Dachboden im Westen und einen ehemaligen Saustall im Osten. Der Saustall wurde gereinigt und mit Kieselsteinen ausgelegt und dient als Lager.
- Die Pferdestallung befindet sich östlich gegenüber dem Hauptstall und wird bei Veranstaltungen aktiv genützt.
- Nebengebäude: Ein nach allen Seiten offener, ebenerdiger Unterstand zwischen Pferdestall und Bauernhaus, der nach Süden zur Weidefläche ausgerichtet ist. Er dient als wetterfester Schutzraum nach allen Seiten geöffnet mit Überdachungen.
- Silotürme: 2 Türme „überwachen“ das Areal und geben Zeugnis einer vergangenen Epoche. Für Besucher benützbar sind derzeit nur eine Hälfte vom Hauptstall (ohne Saustall) und die Nebengebäude. Das Herrschaftshaus steht lediglich dem Personal zur Verfügung.
Historischer Grenzstein
Das Jahr 1808 war für Klagenfurt ein Verwaltungsjahr von enormer Bedeutung. Unter Kaiser Franz I. wurden in dieser Zeit die Grenzen der Stadtgemeinden, der städtischen Gerichtsbarkeit (des sogenannten Burgfriedens) und der Steuerbezirke exakt vermessene und mit dauerhaften Steinen fixiert. Ein Stein mit der Jahreszahl 1808 in Klagenfurt markiert die damalige äußerste Grenze, bis zu der das Klagenfurter Stadtrecht und die städtische Verwaltung reichten. Alles dahinter war bereits Umland (wie die damaligen eigenständigen Gemeinden Viktring, St.Peter oder Annabichl).
Bedeutung des Grenzsteins „1808 i.K.“
Der historische Grenzstein am Gutshof Egger an der heutigen Flatschacher Straße 77 markierte damals die äußere Kern-Stadtgrenze von Klagenfurt.
Die Inschrift entschlüsselt sich historisch sehr wahrscheinlich wie folgt:
- 1808: Das Jahr der Setzung.
- i.K.: Steht für „in Klagenfurt“ oder „Jurisdiktion Klagenfurt“ (bzw. innerhalb Klagenfurts).
Da der Gutshof Egger exakt an der Nahtstelle zwischen dem damaligen ländlichen Flatschach (St. Ruprecht) und den südlichen Ausläufern des Klagenfurter Stadtgebietes (beim Viktringer Ring) lag, zeigte dieser Stein an, dass man an diesem Punkt das Territorium bzw. den Rechtsbezirk der Stadt Klagenfurt betrat.
Das Schicksalsjahr 1809: Klagenfurt wird französisch.
Nur ein Jahr nach der Setzung dieser Steine änderte sich die Welt für Klagenfurt radikal. Im Mai 1809 besetzten die französischen Truppen unter Napoleon die Stadt. Klagenfurt wurde zum Hauptquartier der französischen Armee in der Region. Beim Abzug der Franzosen (Winter 1809/1810) sprengten diese die stolze, jahrhundertealte Klagenfurter Stadtbefestigung (die Stadtmauern und Tore entlang der heutigen Ringstraßen).
Klagenfurt selbst wurde – anders als der Villacher Kreis im Westen – nicht Teil der französischen Illyrischen Provinzen, sondern verblieb nach dem Frieden von Schönbrunn als Grenzstadt beim habsburgischen Österreich (Klagenfurter Kreis).
Ziehbrunnen
Der vorhandene Ziehbrunnen bildete seinerzeit das Herzstück der Wasserversorgung.
Er ist nicht mehr in Betrieb. Seine Bauweise vereint rustikale Handwerkskunst mit zweckmäßiger Mechanik.
Infrastruktur und Nachhaltigkeit beim Event „unkraut frei®“
Dank der großzügigen, überdachten Flächen kann bei Veranstaltungen komplett auf zusätzliche Zeltaufbauten verzichtet werden. Die Versorgung der Event-Infrastruktur setzt maßgeschneiderte Schwerpunkte und besticht mit einer Symbiose aus historischer Substanz und moderner Kreislauftechnologie:
- Autarke Insel-Stromversorgung via E-Mobilität: Im Großraum des Hauptstalls sowie in der Pferdestallung werden die Schankanlagen und die Beleuchtung für das Fest „unkraut frei“ komplett emissionsfrei betrieben. Dies geschieht über das V2L-System (Vehicle-to-Load) mittels Elektro-Autos von Auto Eisner, die als mobile Stromspeicher fungieren.
- Wetterschutz ohne Zeltbauten: Durch die Revitalisierung und Nutzung der bestehenden Dachflächen (Stallungen und offenes Nebengebäude) ist die Infrastruktur wetterunabhängig. Auf temporäre Zeltaufbauten wird verzichtet.
- Regionale Kulinarik: Sowohl der Pferdestall als auch der Großraum des Hauptstalls dienen während des Events als Stationen für die Selbstbedienungs-Bewirtung mit Produkten aus regionaler Landwirtschaft.
- Weg- und Flächenbeleuchtung präsentiert sich als kunstvoll gestaltete Event-Kulisse: Die Sicherheits- und Ambientebeleuchtung der Verkehrswege, der Aufenthaltsplätze, des Schanigartens, des Parkplatzes, sowie der Parkanlage mit ihren alten Baumbeständen erfolgt – ist über BOELS-Aggregat-Systeme und Elektro-Autos von Auto Eisner.
- Urbane Erholungsfläche: Die artenreiche Parkanlage dient während der Veranstaltung „unkraut frei®“ als zusätzliche, naturnahe Erholungsfläche für die Besucher und Besucherinnen der Veranstaltung und die Bewohner, Bewohnerinnen der Landeshauptstadt Klagenfurt.
Ökologie und Naturraum – Charakteristik und Bedeutung
Eine gut funktionierende, artenreiche Biodiversität prägt das gesamte Areal.
Parkanlage:
Ein künstlich gestaltetes Areal mit historischem, altem Baumbestand. Es dient unter anderem bei der Kulturveranstaltung „unkraut frei®“ als innerstädtische Erholungsfläche für die Besucher*innen. Das Areal zeichnet sich durch ein dynamisches Zusammenspiel aus einem sorgsam angelegten historischen Baumbestand und Entwicklung aus. Durch Samenflug und Ausbreitung von Samen und Früchten durch Vögel entstehen kontinuierlich wertvolle Selbstpflanzungen, die dem Park einen naturnahen, weitläufigen Charakter verleihen. Neben einer schützenden Grundabgrenzung aus Fichten beherbergt die Fläche mächtige 100-250 Jahre alte Baumriesen. Diese monumentalen Bäume bieten unzähligen Lebewesen, unersetzbare Nist- und Lebensräume.
Weideflächen:
Angrenzendes, naturbelassenes Grünland im Süden, das den landwirtschaftlichen Charakter des Ensembles wahrt.
Strukturreiche Flora im Überblick:
- Heimische Laub- und Nadelbäume: Hängebirke, europäische Lärche, Bergahorn, Spitzahorn, Winterlinde, Stieleiche, Esche, Pappel, Nussbaum, hochwüchsige Vogelkirsche und eine Lavanttaler Bananen-Apfel.
- Strauchschicht und Kletterpflanzen: Haselnuss, wilde Zwetschke (Kriecherl), Holunder, Pfaffenkapperl, dickstämmiger und weitverzweigter Efeu,
- Offenland und Krautschicht: artenreiches Gestrüpp/Gebüsch, Brennessel, Farne, Moose.
- Wertvolle Mikrohabitate: Ein besonderes Highlight für den Artenschutz sind die bewusst belassenen Totholzplätze. Abgestorbene Äste und Stämme verwandeln sich in faszinierende natürliche Kunstwerke. Sie bilden die Lebensgrundlage für viele Organismen. Spezialisierte Pilze beschleunigen hier den biologischen Abbau und führen dem Boden wichtige Nährstoffe wieder zu. Gemeinsam mit den wilden Weideflächen und dichten Gebüschen entsteht so ein ideales Paradies für Kleintiere, Amphibien und nützliche Insekten.
- Nutzen: Nahrung für Bestäuber, Samen für Vögel und Nagetiere, CO²-Speicher, Efeu als wichtige Futterquelle für Insekten und dichter Schutzraum für Brutvögel, Brennnessel als wichtige Futterpflanzen für Schmetterlinge und Wildbienen.


















